Da ist der Autor wohl auf der Suche nach Freunden, denn anders kann ich mir den Artikel kaum erklären. Ich finde es wenig hilfreich und auch journalistisch fragwürdig, mit solchen Pamphleten zur öffentlichen Lagerbildung beizutragen. Vor allem dann, wenn bereits über Gesetzgebung und die dazugehörige Rechtsprechung geklärt ist, wer das höhere Gefahrenpotential mitbringt.
Soviel sei gesagt: Ich fahre selber gerne schnell und tue das auch, sofern es die Verkehrssituation meiner Meinung nach erlaubt. Nur in den meisten Situationen gebietet sich eben der Verzicht auf Vollgas von selbst, wenn es auch schwer fällt. Wenn sich auf der von mir aus gesehen rechten Fahrspur bereits mehrere Fahrzeuge befinden, dann muss man einfach damit rechnen, dass sich darunter auch jemand befindet, der die Spur zum Überholen wechseln möchte. Selbst der Autor räumt nun ein, dass sich unter den Verkehrsteilnehmern ein erheblicher Teil mit der korrekten Einschätzung von Abstand und Geschwindigkeit schwer tut. Da ist es nur folgerichtig, dass man mit solchen Fehleinschätzungen fortwährend rechnen muss.
Damit erschließt sich auch der Sinn der vom Gesetzgeber festgelegten Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Es muss zwingend Raum für solche Fehleinschätzungen bleiben, da sie natürlich sind und wenn man deren Vorkommen nicht beachten wollte, wäre eine sichere Benutzung des knappen Verkehrsraums für alle nicht möglich. Ein Überschreiten dieser Richtgeschwindigkeit wird gesetzlich zwar eingeräumt, allerdings erlegen Richter regelmäßig dem Schnellerfahrenden eine Mitschuld an Unfällen auf und diese fällt umso höher aus, je weiter man die Richtgeschwindigkeit überschreitet.
Wer sich also einem oder mehreren Fahrzeugen mit hoher Geschwindigkeit nähert, muss besondere Vorsicht walten lassen. Unter diesem Aspekt kann man tagtäglich nicht nur ein Fehlverhalten der Langsamfahrenden beobachten, sondern mindestens genauso oft das der Schnellfahrenden.
Dem Herrn Bellberg möchte ich daher mit auf seinen schnellen Weg geben: Wenn man mit dem Finger auf jemanden zeigt, dann zeigen drei Finger derselben Hand auf einen selbst.
OH