Oh Mann, hier ist aber wieder einiges durcheinander geraten.
Fangen wir mal bei dem Bleisulfat an. Das ist in chemischem Sinne ein Metallsalz und damit elektrisch nicht leitend, so wie die meisten Metallsalze. Damit ergibt sich auch direkt das größte Problem, denn beim Entladen der Batterie schlägt sich dieses nicht leitende Salz auf den negativen Platten in der Batterie nieder und verhindert damit den Ladungsaustausch. Grundsätzlich ist das nicht weiter tragisch, solange die Batterie zeitig wieder nachgeladen wird. Problematisch wird es erst bei längeren Standzeiten oder unzureichender Nachladung, da diese Metallsalze kristallin sind und die Kristalle im Laufe der Zeit wachsen können. Große Kristalle lassen sich aber durch den Ladestrom nur schlecht oder auch gar nicht mehr auflösen, besetzen dann dauerhaft die Oberfläche der negativen Platten und behindern damit den Ladungsaustausch und zusätzlich nimmt die Konzentration an Sulfationen in der Lösung ab, was beides die Kapazität der Batterie herabsetzt.
Genau hier sollen solche Pulslader Abhilfe schaffen. Der pulsierende Ladestrom soll die größeren Kristalle wieder aufbrechen und die Platten wieder freimachen. Das kann natürlich nur dann funktionieren, wenn ein Ladungsaustausch überhaupt noch möglich ist. Ausserdem ist zwischen Befürwortern und Gegnern dieser Lader strittig, ob die Kristalle tatsächlich gesprengt oder nur von den Platten abgelöst werden. In letzterem Fall würde dann zwar die Platte wieder frei werden, die Batteriekapazität wäre aber aufgrund der verringerten Säurekonzentration trotzdem reduziert.
Mit dem obigen Vorgang wäre auch die Schlammbildung teilweise erklärt, die Marc bereits angeführt hatte. Die kann aber auch noch eine andere, weit unangenehmere Ursache haben. Oldtimerfahrer werden vielleicht schon einmal das Phänomen einer "überkochenden" Batterie erlebt haben, die meist durch einen defekten Regler des Generators hervorgerufen wurde. Dabei regelte der Regler bei Erreichen der Ladehöchstspannung den Generator nicht herunter, sondern liess diesen weiter laden, was zum "Gasen" der Batterie führte. Dabei bilden sich an den Platten Gasblasen, die nach oben entweichen wollen. Diese Gasblasen können sich nun auf dem Weg nach oben auch schlagartig wieder auflösen (implodieren), was eine Druckwelle zur Folge hat, die Partikel aus der nahen Plattenoberfläche reißen kann (Stichwort Kavitation). Damit würde sich am Boden der Batterie nicht nur das nicht leitende Bleisulfat sondern auch metallisches und damit leitendes Blei finden, welches dann zum Plattenschluß führen kann. Klar ist, dass solche Batterien mit einem Pulslader nicht wieder belebt werden können.
Wie kommt es nun zum vorzeitigen oder plötzlichen Exitus der Batterie?
Aus dem oben Geschriebenen geht hervor, dass sowohl Entladen als auch falsches Laden ein Problem darstellen kann. Beim Betrachten der Lade/Entladebilanze stellt man dann fest, dass die Batterie bei den heutigen Nutzungsgewohnheiten oftmals nicht lange genug geladen wird. Neben dem Kurzstreckenverkehr mit möglichst niedrigen Drehzahlen spielt die exzessive Nutzung der Fahzeugelektrik und -elektronik eine erhebliche Rolle, belastet sie vor allem im Winter nicht selten die Ladekapazität des Generators bis an seine Grenzen. Der einstündigen täglichen Nutzung mit Licht, diversen Heizungen, Audio/Navigation/Bluetooth und Scheibenwischern steht dann oft eine dreiundzwanzigstündige Ruhephase gegenüber, in der sich die Batterie still vor sich hin entladen kann. Fällt dann die Belastung des Ladesystems mal weg, trifft dessen gesamte Energie auf eine Batterie, die möglicherweise schon durch Sulfatierung geschwächt ist. Die hat dann Mühe die Ladung unterzubringen und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es dann teilweise zum Ausgasen kommt.
Ist das Fahrzeug in Bewegung, geht das einige Zeit gut, denn die winzigen Bleipartikel bleiben durch die Erschütterungen und die Ladevorgänge und die damit verbundene Erwärmung oftmals in der Schwebe. Wird das Fahrzeug dann abgestellt, sinken sie zu Boden und schließen die Platten kurz.
Genauso schädlich sind aber Ladegeräte, die man wohlmeinend anschließt, wenn man sich der oben genannten Problematik bewußt ist, die dann aber nicht zur Batterie passen. Marc hatte es ja schon angedeutet, dass bestimmte Batterietypen auch auf sie abgestimmte Ladecharakteristika benötigen. Zuviel Ladung bringt die Batterie zum Gasen, zuwenig Ladung lässt sie sulfatieren. Genauso verhält es sich mit dem Austausch der Batterie. Die neue Batterie muss zu dem Fahrzeug passen und sollte der defekten in Kapazität und Aufbau entsprechen. Die billigere Variante ist keineswegs automatisch die preisgünstigere, aber mehr Geld auszugeben und sein Heil in der Kapazitätserhöhung zu suchen, muss auch nicht unbedingt zielführend sein.
Was kann man also tun, damit die Batterie länger hält?
Wer regelmäßig mit seinem Auto längere Strecken fährt, sollte eigentlich eher seltener ein Problem bekommen. Tritt trotzdem häufiger ein Batteriedefekt auf, sollte man dort die Ladespannung über einen längeren Zeitraum prüfen.
Für Kurzstrecken- oder Seltenfahrer empfiehlt es sich vor allem im Winter die Batterie alle zwei Wochen mit einem externen Ladegerät nachzuladen. Dabei ist darauf zu achten, dass das Ladegerät zur Batterie passt, damit die Batterie auch tatsächlich bis an ihre Kapazitätsgrenze gefüllt wird. Ich werde hier nichts empfehlen, ausser sich im Fachhandel beraten zu lassen. Der sollte dann aber mindestens wissen, was da unter der Haube des Autos schlummert.
Man kann natürlich auch sagen: "Drauf gesch..."! Rechnet man die Kosten für das externe Ladegerät und das ständige Nachladen gegen die erhöhte Standzeit der Batterie, könnte man auch zu dem Schluß kommen, dass sich das kaum lohnt.
OH