Ich habe das alte Lager mit dem Spezialwerkzeug rausgezogen. Das ging überraschend gut, auch wenn man schon ordentlich Schmackes drauf geben muss. Dabei hat sich die Geteilte Platte, die ja nur mit zwei popeligen M8er Schrauben verbunden ist, schon aufgebogen. Ich wollte schon schluß machen, hab dann aber doch noch etwas weiter gedreht und es machte einen lauten Knall und das Ding etwas rausgerutscht. Dann weiter drehen, erst leichter, dann baute er Spannung auf, knack, und wieder weiter. Dauert gefühlt eine Ewigkeit aber irgendwann ist das Lager tatsächlich vollständig rausgekommen. Nicht wie befürchtet das ein Teil im Achsschenkel blieb. Ich glaube das ist genau der Unterschied zwischen einem Kompaktlager und einem "normalen" mit geteilter Lager und Nabe. Man sieht auch am neuen Lager das der innere Teil der Nabe hinten am ABS-Ring umgebördelt ist, da zieht man nix auseineander.
Das Spezialwerkzeug setzt auch hier faktisch an der Nabe innen an und nicht außen am Lagerring. Beim Ausbau muss man darauf vielleicht auch keine Rücksicht nehmen, ist ja in der Regel eh kaputt.
Stolz wie Oskar das das dann doch einigermaßen raus kam, habe ich mir gedacht probiere ich es nochmal mit dem Spezialwerkzeug zum Einbauen, weil ich mir das ausbauen des Achsschenkels sparen wollte. Also das Werkzeug umgebaut und angesetzt. Da habe ich aber ganz schön dran rumgemacht um das gerade anzusetzen. Praktisch ist das nicht möglich, sobald man etwas anzieht, zieht es sich sofort schief. Da ich aber diesmal nicht einfach weiter gemacht habe konnte ich das von Hand dann wieder lösen. Das Problem ist das die Zentrierung der Schraube, Lagerspiel und auch Toleranzen in den Abstandsbolzen schon reichen das der Druck nicht gleichmäßig auf den Lagerring ausgeübt wird. Ich würde behaupten damit ist es unmöglich das exakt gerade einzuziehen.
Dann habe ich mir unterschiedlich lange Stahlhülsen zwischen dem Werkzeugring und dem Achsschenkelsitz eingelegt sodass ich damit die "Spur" des Lagers rein nachjustieren konnte. So ist es mir gelungen das exakt gerade reinziehen zu lassen. Nach der Hälfte braucht man diese Unterstützung dann nicht mehr, dann kann das Lager nicht mehr aus. Hätte ich das Werkzeug anstelle mit der Zentrierschraube in einer Presse benutzt, wäre vermutlich genau dasselbe passiert. Auch weil das Werkzeug eben an der Verbindungsstelle des geteilten Tellers aufbiegt. Das musste ich dann leider bemerken als das Radlager schon fast drin war (Fotos oben), denn dann wollte das Werkzeug die letzte Hürde nicht nehmen und hat sich so übel verbogen das ich neue Schrauben brauchte und die Platten auf der Presse erstmal wieder richten musste.
Dann stand ich vor dem Problem oben. Im Endeffekt habe ich dann den Achsschenkel ausgebaut, die Messinghülsten vom Spezialwerkzeug oben und unten aufgelegt und mit der Standpresse Druck draufgegeben. Bei ca. 5t hat es dann nochmal "knack" gemacht und das Lager war ganz drin. Das Geräusch dabei war dasselbe wie beim rauspressen vom alten Lager. Danach geht es erstmal recht leicht, dann wird es immer schwerer und es gibt nen kleinen Knall. Das klingt erschreckend, aber ist wohl normal, weil sich das Lager trotz etwas Silikonfett in der Achsschenkelbuchse fest setzt und dann immer ein Stückchen weiter zieht. Auf den Videos zu Radlagern hat man das praktisch überall so.
Keine Ahnung ob ich das Lager mit meiner Pressaktion jetzt wieder gekillt habe. Fakt war aber, das ausgebaute Lager (LH) war defekt, man konnte beim drehen mit der Hand richtig Widerstand an bestimmten Positionen spüren. Auf der Heimfahrt war mein Auto auch erstmal wieder ruhig, keine Dröhngeräusche mehr. Jetzt ist halt die Frage wie lange das anhält? Und scheinbar ist das rechte Lager (RH) in Ordnung, zumindest ist es nicht laut. Daher habe ich jetzt auch erstmal bei einem aufgehört.
Das Spezialwerkzeug (ja, natürlich China-Ware, klar) ist jetzt so gut wie Schrott. Die Schrauben habe ich schon zweimal erneuert und die Platte ist in sich verzogen. Das wird also relativ schnell wieder verbieten.
Der Kollege in der Werkstatt fragte warum das Lager im eingebauten Zustand so schwer ginge. Im ausgebauten geht es deutlich leichter zu drehen. Diese Frage hatte mich ja auch schon beschäftigt. Das einzige was mir dazu einfiele wäre das es im eingepressten Zustand halt einfach mehr unter Spannung steht. Aber ihr meint ja das ist normal so.
Jetzt schauen wir mal wie lange das gut geht. Als ich das damals gewechselt hatte war es anfangs ja auch alles ok, das hat schon 1-2tkm gedauert bis es laut wurde.
Ich frage mich aber auch wie man so ein Lager bauen kann? Was hat Ford denn für ein Spezialwerkzeug um das korrekt einzupressen? Das muss ja auch was geteiltes sein. Und was ist von manchen Videos zu halten wo jemand das einfach auf der Nabe einpresst? Ich war der Meinung dann ist es gleich hinüber?