Radlager bzw. gesamten Achsschenkel erneuern

  • Nachdem ich im Fahrwerk so gut wie alles schonmal gemacht habe steht nun, in Verbindung mit neuen Federbeinen vorn auch mal das Radlager an.

    Das kann man ja in unterschiedlicher Weise erneuern, nur das Lager, das Lager inkl. Radnabe mit Stehbolzen oder komplett mit dem Achsschenkel.

    Für meinen (2.2 TDCi Turnier FL 10/2010) hat das die Teilenummer 6G91-2C300-GAC bzw 1496721 für beide Seiten. Das ist Lager inkl. Radnabe. Original von Ford unbezahlbar (~450€ pro Stück!), daher werde ich auf SKF VKBA 6585 zurückgreifen, welches bei 130€ pro Satz liegt. Möglicherweise gibt es da auch gar keinen Unterschied zwischen vFL und FL und Karosserieformen... könnte also sein das das für alle gleich ist.

    Ausbau des vorhandenen Lagers wäre im Grunde so:

    1. Rad runtermachen
    2. Bremsscheibe abnehmen (Fixierungsschraune rausdrehen und Scheibe abziehen)
    3. Bremssattel abschrauben und sichern
    4. Mutter vom Spurstangenkopf losdrehen und wieder aufdrehen, anschliessend mit Hammer leicht seitlich auf den Achsschenkel schlagen (nicht von oben auf den Lagerbolzen!), da wo der Kopf drin steckt, bis der Spurstangenkopf nach unten rausfällt
    5. Mutter vom Kopf des Querlenker-Lagers im Achsschenkel rausdrehen. Mit einer langen Brechsstange zwischen Querlenker und Hilfsrahmen hebelkraft nach unten ausüben und mit dem Hammer von aussen gegen den Kopf welcher mit dem Querlenker fest verbunden ist schlagen bis dieser nach unten rausspringt. Den Querlenker dann soweit runter drücken bis der Bolzen ganz draussen ist und man den Achsschenkel davon lösen kann.
    6. Sicherungsschraube der Antriebswelle rausdrehen (Achtung! Nicht wiederverwenden, da Dehnschraube, muss durch neue ersetzt werden!) und Antriebswelle vorsichtig rausdrücken und gegen herunterfallen sichern
    7. Manschette am Lager öffnen und ggf. gleich ersetzen (für die paar Euro, dann ist es gemacht)
    8. Sicherungsring hinten am Radlager entnehmen
    9. ABS Sensor ggf ausbauen (muss nicht sein, aber wenn er leicht raus geht verhindert das eine mögliche Beschädigung bau aus/einbau des Lagers)
    10. Position des Lagers im Achsschenkel markieren/fotografieren um neue später exakt an dieselbe Position zu bekommen
    11. Lager samt Radnabe mit geeignetem Ausdrückwerkzeug nach außen drücken (ziehen)
    12. Lagersitz im Achsschenkel auf Riefen prüfen, ggf. leicht anschleifen (nicht fetten!)
    13. Einbau des neuen Lagers mit geeignetem Werkzeug bis Lager wieder so sitzt wie vorher
    14. Rest in umgekehrter Reihenfolge zusammenbauen

    Da stellen sich mir noch ein paar Fragen und es scheint wieder mal keine einfache Antwort geben zu können:

    Nur Radlager oder vollständig mit Achsschenkel?

    Eigentlich reicht das Lager und wenn ich sonst nichts machen müsste würde ich davon absehen den gesamten Achsschenkel auszutauschen. Vor allem weil ich weiß das der Querlenker mit seinem konischen Stift ultra-bombenfest in dem Achsschenkel steckt. Das musste ich damals bei meiner ersten Fahrwerksreparatur schmerzlich bemerken. Das Ding wollte zum verrecken nicht raus, ich musste dann Federbein inkl. Querlenker ausbauen, was auch kein Spaß war um beide im Schraubstock zu trennen.

    Es werden teils komplette, vormontierte Achsschenkel inkl. Lager und Radnabe angeboten, aber leider soweit ich das gesehen habe nur von "Billiganbietern" und da kaufe ich nicht. Es muss schon was bekanntes sein wie SKF, FEBI, Meyle, ... Das ein-/auspressen am Fahrzeug ist auch nicht unbedingt ein Spaß und man braucht Spezialwerkzeug. Im Netz werden verschiedenste Werkzeuge für eine solche Arbeit angeboten die man außen aufsetzt und letztlich mittels Ratsche bedient. Besser geht das sicher im ausgebauten Zustand mit einer ordentlichen Presse (20t) und entsprechenden Matrizen. Das muss man aber auch erstmal haben.

    So oder so muss ich den Querlenker vom Achsschenkel runter bekommen weil ich auch ans Federbein ran muss und ohne den Querlenker auszuhängen bekommt man den Achsschenkel nicht weit genug runter um das Federbein aus selbigem rausziehen zu können. Da müsste man den Querlenker schon extrem nach unten überdehnen was sicher einen Schaden an den Querlenkerlagern/Gummis hervorruft. Die muss/wollte ich nicht ersetzen.

    Wenn Achsschenkel separat, von welchem Hersteller?

    Wo sollte man den kaufen und wo besser nicht? Bei Ford eher nicht, da sicher viel zu teuer.

    Was sollte man noch beachten?

    Gibt es noch Tipps von Eurer Seite für eine solche Reparatur? Ich denke der Austausch der Achsmanschette, ggf. auch gleich die am Motor wäre wohl obligatorisch wenn man eh schonmal alles runter hat? Die Kosten ja nicht viel und wenn man sie machen muss ist es eine Sauarbeit oder man kauft spezielle die man ohne Ausbau der Antriebswelle wechseln kann?

    Die Position des ABS-Ringes sollte stimmen, damit der von oben eingeführte ABS-Sensor die Radumdrehungen sauber erhält:

     

    Den Sensor hatte ich noch nie draussen und die Frage ist auch ob man ihn "verlustfrei" auf einen neuen Achsschenkel umbauen kann oder besser gleich nen neuen mitbestellt?

    "Lernen ist Erfahrung. Alles andere ist einfach nur Information."

    Albert Einstein

  • Den ABS Sensor würde ich mal versuchen auszubauen, bevor du Teile bestellst.

    Dann merkst du schon ob das hinterher Problematisch wird und du vorsorglich neue bereit hältst.

    Den Achsschenkel würde ich nicht zwingend tauschen, der ist sonst der größte Kostenfaktor bei den Teilen.

    Jedoch die Lager lohnt sich vorher zu betrachten, ob sich der Tausch direkt lohnt, wenn man ein mal dran ist.

    Der ABS Ring sitzt hinterher zwangsläufig korrekt, da kann man nicht viel falsch machen.

    Die Schraube der Antriebswelle muss natürlich neu, weil Dehnschraube, kostet beim FFH aber auch nicht die Welt.


    Mit den Spezialwerkzeugen zum Wechsel am Fahrzeug geht das ganz gut, fraglich ob sich der Kauf für den einmaligen Gebrauch lohnt.

    Sonst ist eine 20t Presse auf jeden Fall ratsam.

  • Als bei mir die Radnabe neu gemacht wurde hat der ABS-Sensor es nicht überlebt. Ich würde versuchen den heile heraus zu nehmen aber sicherheitshalber einen im Warenkorb haben.

  • Zumindest einen original Ford Achsschenkel habe ich für wirklich wenig Geld bekommen können (45,- €, Neuteil). Bis Frühjahr/Sommer wo ich das machen will habe ich ja noch ne Weile (gute Vorbereitung ist alles!) vielleicht ergibt sich ja noch was. Ich denke halt das wenn ich den drecks Dreieckslenker mal vom Achsschenkel gelöst hab ist alles andere easy-peasy, sprich ob ich dann noch den Achsschenkel wechlse oder nicht dürfte fast egal sein?

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    Albert Einstein

  • Bei deiner Aufzählung des ausbauen habe ich bei den meisten Fahrzeugen auch den Spurstangenkopf herausgenommen. Da kannst du besser arbeiten. Und nur Radlager tauschen macht kein Spaß wenn du nicht die richtigen Werkzeuge hast. Das Federbein herausnehmen ist auch interessant. Die Mutter für die Klemmung habe ich meistens abbekommen, aber die Schrauben dann herausnehmen nicht. Fast untrennbar verrostet mit dem Rest vom Auto. Am besten war Schlagschrauber und linksausdreher. Dann hin und her und fertig.

    Wenn man tot ist, ist das für einen selber nicht schlimm, weil man ja tot ist ... schlimm ist es für die anderen .... genauso ist das übrigens wenn man doof ist! :D

  • Danke, ich ergänze meine Anleitung nach und nach was mir einfällt oder ich lese bzw gemeldet bekomme. Ja, Spurstangenkopf muss raus, wenn der Bolzen des Kopfes nicht mit der Mutter zusammen durchdreht geht das einfach.

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    Albert Einstein

  • Ich werde mir auf jeden Fall so ein Lagerausdrück-Werkzeug zulege

    Damit ist vor allem das eindrücken sicher, denn es appliziert den Druck auf den Lagerring und nicht aussen auf die Radnabe und damit auf das Innere des Lagers. Zudem kann man das dann zb bequem vor dem Einbau von Achsschenkel mit Lager auf dem Werktisch zusammensetzen.

    Ja, natürlich ist das China-Ware, egal ob da nun Ente-Süß-Sauer ider BGS drauf steht, alles dasselbe, kaufen wo billig. Es muss ja keinem täglichen Gebrauch standhalten. Aber für 70€ kann es wohl schon was.

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    Albert Einstein

  • Das ist Lager inkl. Radnabe. Original von Ford unbezahlbar (~450€ pro Stück!)

    Wohl beim FFH, der sein Heu noch nicht rein hat?

    daher werde ich auf SKF VKBA 6585 zurückgreifen, welches bei 130€ pro Satz liegt.

    FAG geht nicht?
    Willkürliches Beispiel ohne Preisvergleicherei, die Dehnschraube ist sogar dabei:): https://www.amazon.de/FAG-713-6788-4…z/dp/B0068MGI0A

    Ja, das weißt Du ja selbst - halte alle anderen da vorhandenen Schrauben/Muttern vor und mache die neu.

    Vielleicht ist dann auch das Geräusch aus dem anderen Thread weg?

    Gruß aus Erfurt

    Schon der dritte vierte Ford und der Fahrer wird nicht schlau draus!

  • Ob jetzt FAG (Schaeffler) oder SKF ist vermutlich gleich, auch preislich liegen die gleichauf. Beim SKF ist auch die Dehnschraube dabei. SKF ist mir halt noch aus meiner Lehrzeit bei einem Maschinenbauer noch ein Begriff. Aber ja, ist vergleichbar.

    Schrauben ist klar, habe ich eh einen "Sack" aus div. anderen Schraubprojekten. Und nein, ich habe da keine Hoffnung das mein Knarzen vom Radlager kommt, das liegt am Federbein irgendwo, oder am Domlager.

    Muss alles neu, hatte ich eh vor, ist wieder Zeit. Meine Sachs-Federn hinten hatten ja bereits vor kurzem beide ihren Geist aufgegeben, da werden die vorderen nicht grundsätzlich besser dastehen. Damals hatte ich ja den schlimmen Fehler begangen und die falsch gelieferten Dämpfer eingebaut, weil ich keinen Bock hatte alles wieder zusammenzubauen wo ich es grad so mühsam ausgebaut hatte. Das Problem ist das es zwei Dämpfertypen gibt, einen vFL und einen FL und der letztere ist am unteren Teller etwas anders geformt zur Aufnahme der Feder. Beim FL (AG91) ist dort eine kleine Aussparung nach unten und da passt perfekt die Anti-Quietsch-Unterlage (warum die wohl so heißt....) rein. Das geht beim vFL Dämpfer (6G91) so nicht und so hatte ich die Gummiauflage einfach nur reingelegt. Zudem habe ich einfach nicht glauben wollen das man beide Domlager zur Beifahrerseite hin um 5° eindreht und so hatte ich die gegenläuft, also jeweils zur gegenüberliegenden Seite ausgerichtet. Diese beiden Fehler könnten mir die Domlager ruiniert haben oder für das "knacken" beim lenken verantwortlich sein.

    Kurzum, es ist mal wieder eine große Nummer, bei der gleich alles gemacht wird, Stoßdämpfer, Federn, Achsschenkel und Radlager. Mal schaun was noch auf die Liste kommt...

    "Lernen ist Erfahrung. Alles andere ist einfach nur Information."

    Albert Einstein

  • Das kann man ja in unterschiedlicher Weise erneuern, nur das Lager, das Lager inkl. Radnabe mit Stehbolzen

    Nur das Lager geht nicht. Die Radnabe ist immer auf das Lager geschrumpft und unlösbar verbördelt.

    zum Werkzeug: Mein Schwiegersohn hat mit so einem ein Radlager gewechselt. So wie das Gewinde der Spindel jetzt aussieht würde ich es nicht noch mal riskieren ein Lager auszuziehen. Auf alle Fälle solltest Du die Spindel mit einem gute Fett (möglichst mit Notschmierfunktion) einfetten, hatte mein Schwiegersohn leider nicht gemacht. Ich verwende dafür Graphitfett, davon habe noch einen Vorrat.

    Mein Verbrauch 677593_3.png

  • Hm, klingt ja nicht ermutigend. Da ich nach wie vor eher mit dem Gedanken spiele den Achsschenkel vorzumontieren bräuchte ich für eine Presse jedoch entsprechende Matrizen. Der Vorteil des Tools war halt auch das man einen Anschlag hat und somit die Position perfekt stimmt. Auf einer einfachen Presse könnte man evtl. zuviel einpressen?

    Und diese Fertigteile aus Achsschenkel und Radlager/Nabe gibt es nur bei Billiganbietern und davor schrecke ich zurück.

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    Albert Einstein

  • Das ist so nicht ganz korrekt.

    Ich habe schon einige Radlager hinter mir. Ja, das Stück welches auf der Radnabe bleibt ist nicht zu vermeiden, aber simpel zu entfernen.

    Ich schneide die mit einem Dremel mit Trennscheib(chen) an, flex ist zu groß.

    Muss nicht mal komplett durchtrennt werden, dann besteht auch nicht die Gefahr, dass man in die Nabe schneidet.

    Anschließen ein beherzter Schlag mit Hammer und Meißel und das Ding platzt auf und geht runter.

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